Studien belegen: Männer zeigen in der Erziehung eigene Qualitäten, die für Kinder wichtig sind. Darüber berichtet das Magazin DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 52/2015

Sind Väter die besseren Mütter?

Auf diese plakative Frage gibt das Magazin „DER SPIEGEL“ (Ausgabe 52/2015) in seiner Titelstory (!) erwartungsgemäß nicht wirklich eine Antwort. Im Innenteil wird die Schlagzeile dann jedoch konkreter: „Lasst die Männer ran!“. Und das ist nun wirklich eine klare Botschaft der Autorin Kerstin Kullmann. Man darf ihr auch bescheinigen, dass sie breit recherchierte und keine Scheu hatte, ziemlich gender-unkonforme Aussagen zu wagen.

Gleich zu Beginn des Beitrags fragt sie einen 28-Jährigen jungen Papa, was ein guter Vater ist. Seine Antwort: „Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass ich keine zweite Mutter sein will.“ Und er gesteht anschließend, dass es Dinge gibt, die er einfach nicht kann. Damit meint er nicht etwa das Füttern oder Wickeln. Vielmehr spricht er von seinen Erfahrungen in der Krabbelgruppe: „All das Singen und das Klatschen. Das Rasselschwenken“ der Mütter sei es und wird noch deutlicher: Sich so zum Affen machen, könne er nicht.

Die Autorin beschreibt ferner einen Besuch in einem Berliner Papa-Laden, einer Mischung aus Beratungsstelle und Treffpunkt für Väter, in dem zweimal wöchentlich auch eine Krabbelgruppe angeboten wird. Zu ihrer Verblüffung findet Kullmann keinen lärmenden „Babywahnsinn“ vor mit Müttern und ihren „Ideen, was ihre Kinder jetzt noch alles brauchen könnten: Schluck Tee? Stück Apfel? Windel voll? Mal laufen üben? Achtung die Tischkante!“ Stattdessen: „Kein Lärm, kein Quengeln, kein Gezeter. Eine Stunde lang weint kein Kind. Die Väter unterhalten sich miteinander. In Ruhe“.

Eine weitere Botschaft hat der SPIEGEL-Beitrag: „Es lohnt sich für die Männer, wenn sie sich nicht so schnell in ihrem Umgang mit dem Kind entmutigen lassen“, wird die Wiener Erziehungsforscherin Liselotte Ahnert zitiert. Sie hat in einer Studie über 1100 Beobachtungen von Kindern mit ihren Müttern und Vätern ausgewertet. Die Bindung zum Kind werde vor allem in schwierigen Situationen aufgebaut. Sie wünscht sich daher, dass die Väter in ihren eigenen Methoden der Erziehung stärker gesehen und unterstützt werden.

Es lohne sich für Väter aber ebenso, sich von Beginn an einzubringen – auch gegen mögliche Widerstände der Mutter. Die Wissenschaftlerin Ahnert hat nämlich etwas beobachtet, was sie „mütterliches Gatekeeping“ nennt: „Nach der Geburt des Babys ziehen die Frauen fast alle Aufgaben an sich. Sie machen ihrem Mann keinen Mut, sich auf das Kind zuzubewegen. Sie kritisieren viel, wissen besser…“ und beeinflussen dadurch stark, wieviel Mut zur Eigenständigkeit Väter haben und bestimmen so den Rahmen, in dem der Mann seine Vaterrolle ausfüllen kann. Dabei wäre gerade eine eigenständige männliche Herangehensweise für Kindern so wichtig. Väter fragen ihr Kind, wird nocheinmal Liselotte Ahnert zitiert: „Willst du auf den Baum? Dann mal los.“ Mütter dagegen initiieren ersteinmal kaum Neues, sind vorsichtiger. Hier liegt der spezifische männliche Beitrag zur guten Entwicklung von Kindern!

Also: Männer traut Euch, Väter zu sein – und nicht bessere Mütter!

Link zum SPIEGEL-Artikel (man muss sich aber anmelden, um den vollständigen Text lesen zu können):

https://magazin.spiegel.de/digital/?utm_source=spon&utm_campaign=inhaltsverzeichnis#SP/2015/52/140508788

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2 Kommentare zu Sind Väter die besseren Mütter?

  1. Ulf von Quillfeldt 28. Dezember 2015 um 20:40 #

    Ich muß den „Ball“ sofort spielen, denn ich war lange Jahre in der offenen Kinder-und Jugendarbeit tätig und mir hat es immer ganz besondere Freude bereitet, Gelegenheiten zu gestalten, die für die Kinder / Jugendlichen attraktive Herausforderungen waren, ohne sie zu gefährden. Mir scheint das Buch Kohelet mit seiner Passage „Alles hat seine Zeit ein jegliche Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stund …“ der zutreffende Zugang zu sein. Sicher sind Mütter tendenziell mehr auf Sicherheit gepolt. Und das hat ja solange Kinder als Säuglinge unter Umständen rasch gefährdet sind, völlig seine Richtigkeit: kein Kind aus Jux Hochwerfen bevor die Wirbelsäulenmuskulatur dafür stark genug ist. Und beim „Flugzeug“ die Fliehkräfte nicht unterschätzen, die am Schultergelenk wirken. Wir brauchen es hier nicht verschweigen, es gibt auch Väter, die fahrlässig mit ihren Sprößlingen umgehen.
    Es ist sicher ncht falsch beobachtet, dass Mütter sich in der Regel später schwerer tun als Väter, wenn es darum geht, altersgerechtes Risiko zuzulassen. Dabei geht es immer um ein möglichst zutreffendes Einschätzen des Kindes und der Situation, um ein verantwortbares Risiko. Es kann sein, Mann und Kind müssen sich gemeinsam an die Grenze herantasten. Ich kann sowohl aus unbegründeter Angst einem Kind zuwenig Spielraum zur Erprobung lassen, aber auch aus falschem Ergeiz einem Kind zuviel abverlangen. Die Gratwanderung bei der Ermutigung ( „probiere es, du schaffst das schon“ ) verlangt ein feinfühliges Gespür für das Kind. (Ich habe gerade den Abenteuerspielplatz vor Augen und Kinder, die von Dach zu Dach der nicht ganz benachbarten Hütten springen. )
    Die Bewältigung von nicht einfachen Herausforderungen sind von unschätzbarem Wert für die Entwicklung. Stolz, Freude, Selbstvertrauen wächst dabei, das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, da werden seelischen Ressourcen angelegt, auf die unter Umständen bei späteren Krisen zurückgegriffen werden kann. Es ist eine schöne, ich möchte sogar sagen, notwendige Aufgabe für Väter, ihre Kinder bei dem Anlegen dieses seelischen „Sparguthabens“ zu unterstützen.

  2. Stephan Burghardt 30. Dezember 2015 um 19:31 #

    Lieber Hans

    wenn ich von mir erzählen würde als Vater von jetzt 4 erwachsenen Kindern, dann war das mütterliche „Gatekeeping“ bei meiner Frau nur in Ausnahmefällen vorhanden, wenn ich z. B. beim Spaziergang auf der Alb mit den Kindern zu nahe bei einem der in meiner Gegend oft vorfindbaren Felsvorsprünge an den Abgrund gegangen bin. Meine Frau ist nicht schwindelfrei, deshalb kam dann automatisch: ….geh bloß nicht so weit vor mit den Kindern … Die eigene Angst war der Auslöser oder auch, wenn ich mit ihnen auf hohe Bäume geklettert bin. Wie mein Vorredner sage ich auch: Es ist Aufgabe der Väter, vernünftig die Kinder-Grenzen gemeinsam angehen und erweitern – damit dies nicht nur durch die „Peergroup“ der Freunde unkontrolliert passiert) – im Spiel, beim Wagnis, aber auch beim Durchhalten von psychisch und körperlich Unangenehmen, nicht spaßigem (z. B. beim wandern im Regen oder Anstrengung beim Holz machen), beim Lernen, beim Basteln, beim Helfen und beim Abenteuer.
    Übertriebenes „Gatekeeping“ von Müttern kann meiner Meinung nach verschiedene Ursachen haben: Hier in meinem Fall war es angstbestimmt, kann aber auch Macht- und Einflussverteidigung sein. Vor allem bei Scheidungen ist dies ein oft zu beobachtendes Phänomen von Frauenverhalten. Für manche Mütter, so kommt es mir vor, ist es manchmal eine scheinbar notwendige Selbstbestätigung bis hin zur „fürsorglichen Belagerung“ („Ohne mich wirst du scheitern“) und gar nicht so selten ist es ein Spiegel von ungeklärter, disharmonischer oder rollendifuser Elternbeziehung zwischen Vater und Mutter. Dort muss dann die Ursachen gesucht und geklärt werden, denn Väter sind nun mal anders, Mütter auch. Deshalb: Väter traut euch ran, es sind auch eure Kinder!

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