Teenager

Teenager können einem ganz schön auf die Nerven gehen. Das weiß jeder, der einen zuhause hat, auch der Schauspieler Benno Fürmann (dt. Schauspieler, geb. 1972). In einem Interview hat er sich aufgeregt: „Man versucht, ein cooler Vater zu sein, und wird angekuckt, als wär‘ man der letzte Vollidiot“. Es kostet „viel Kraft, den ganzen Bullshit, den Teenager bringen, mitzumachen“, hat er gesagt. Ich glaube, da hat er vielen Vätern und Müttern aus der Seele gesprochen.
In der Pubertät werden Kinder selbständiger. Sie grenzen sich immer mehr von ihren Eltern ab, widersprechen und probieren aus, wie weit sie gehen können. Und sie werden immer stärker. Nicht nur in Sachen Körpergröße kommen sie auf Augenhöhe mit den Eltern, sondern auch in Sachen Persönlichkeit. Vielleicht haben Väter damit noch ein größeres Problem als Mütter. Besonders, wenn der Teenager ein Junge ist. Bei Männern geht es ja oft darum, wer der Stärkere ist. Wenn dann der eigene Sohn zum Mann wird, kann einem das schon zu schaffen machen.
Jedenfalls geht mir das manchmal so. Als ich das einem Bekannten erzählt habe, hat er gelacht: „Was willst Du?“, hat er gesagt, „Dein Sohn ist 15 und Du bald 50. Ist doch klar, wer von Euch mehr Power hat“. Stimmt. Und eigentlich kann ich mich darüber freuen. Es macht Spaß und stolz, zuzusehen, wie das eigene Kind groß wird. Der Sohn verwandelt sich in einen eigenständigen Erwachsenen und entwickelt erstaunliche Fähigkeiten. Toll! Das entschädigt auch für Streit, Besserwisserei und blöde Sprüche.
Manchmal denke ich: So ist es vielleicht auch Josef gegangen, dem Vater von Jesus: Jesus war noch nicht ganz im Teenageralter als er seinen Eltern abhaut. Bei einem Ausflug nach Jerusalem verschwindet der Zwölfjährige plötzlich. Erst drei Tage später finden Maria und Josef ihn im Tempel wieder. Dort diskutiert er mit den Schriftgelehrten. Er sitzt im Kreis der klugen Theologen, als ob er einer von ihnen wäre. Josef hat sich sicher geärgert, dass sein Sohn ohne Erlaubnis und ohne Bescheid zu sagen abgehauen ist. Geärgert hat es sich wohl auch über den Spruch, den er und Maria zu hören bekommen haben: „Hättet Ihr Euch doch denken können, dass ich im Tempel bin“, hat Jesus ihnen gesagt. Vielleicht ist sich Josef auch unterlegen vorgekommen, als er gesehen hat, wie sein Sohn mit den gebildeten Männern diskutiert. Aber ich denke: Josef war auch sehr stolz auf Jesus.
Benno Fürmann  hat in dem Interview auch gesagt: Für Teenager braucht man zwei Dinge: gute Nerven und ein großes Herz. Beides wünsche ich jedem, der einen Teenager zuhause hat.

Pfr. Andreas Föhl, Bad Dürrheim, Evangelische Kirche (aus: Anstöße SWR 1 am 28.11.2018)

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