Trösten wie ein Vater?

hgaiserTränen laufen über die Wangen, die Knie schmerzen vom Sturz. Der8-jährige Philipp schafft es bis zur Haustür der Eltern, klingelt heftig und kurze Zeit später öffnet sich die Tür, beide Eltern stehen da, sehen ihn, seine Tränen, seine Schmerzen und öffnen die Arme. Phillip hat nun die schwere Wahl – in wessen Arme? Von wem soll er sich trösten lassen?

Gut, vielleicht ist bei vielen eher die Mutter zu Hause (aber auch das ändert sich ja)  – und der Vater eben den ganzen Tag weg. Ihm wird dann allenfalls erzählt, was geschehen ist. Wie einen eine Mutter tröstet – so steht es dieses Jahr in der Jahreslosung – so tröstet Gott. Ich muss gestehen, ein wenig hat mich das gestört – als Mann und Vater. Nicht dass ich mir Gott nicht auch als Mutter und weiblich vorstellen könnte (wie auch als Arzt, Licht, Brot – so sagt die Bibel auch – und die Oberboihinger Konfirmanden haben schon ergänzt: als Trainer, als Navigationsgerät…). Aber tröstet nur die Mutter? Ist das keine Männersache, weil man sich eher nicht in die Arme nimmt, weil man vielleicht auch nicht gleich weiß, was zu sagen ist, wie man hilft – und umgeht das lieber?

Ich habe – Gott sei Dank – auch erfahren, wie es ist, vom Vater getröstet zu werden. Der mich in die Arme nahm. Und kann das jetzt ein wenig zurückgeben – wo er dement ist und mich kaum noch kennt. Da sein, berühren – manchmal braucht es keine Worte mehr, die ja nicht mehr durchdringen. Also auch trösten wie ein Sohn, eine Tochter! Auch wenn ich manchmal nicht weiß, wie ich das „mache“, dass es mir vielleicht nachgeht, dass ich selbst verletzbar werde. Aber irgendjemand wartet auf meine starke, zaghafte, zärtlichen Arme und braucht sie. Und ich finde auch welche – auch bei dem, der wie Vater und Mutter tröstet.

Pfarrer Hannes Gaiser, Oberboihingen und  Bezirksmännerpfarrer im Dekanat Nürtingen

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