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Trost und Segen als zwei Seiten Gottes – Gedanken zur Jahreslosung

Die Jahreslosung 2016 lautet: „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13).

Es liegt aus zwei Gründen nahe, sich in unserem Blog mit dieser Losung zu befassen. Zum einen ist dies ein Medium von und für Männer. Daher drängt sich die Frage auf, wie können wir Männer denn diese sehr „mütterliche“ Jahreslosung verstehen? Zum anderen gibt der Begriff „Segen“ diesem Blog den Namen. Wo aber Segen ist, ist der Trost nicht weit. Die Begriffe gehören häufig zusammen. Doch wie stehen Trost und Segen zueinander?

Ich verstehe sie als zwei Seiten der Gotteserfahrung: Der Trost ist Gottes mütterlich-weibliche Seite und der Segen seine väterlich-männliche. Woher mein Verständnis kommt? Ich denke, das hat mit meinen Erfahrungen zu tun, die ich als Kind machen durfte. Denn welches Gottesbild wir entwickeln, ist ja vielfach davon geprägt, wie wir Vater und Mutter erlebt haben. Mir ist dabei klar, dass andere Männer leider andere, oft negative, Eltern-Erfahrungen machen mussten – die ebenso ihr Gottesbild beeinflussten. Mit entsprechenden Folgen.

Bei meinen Vater erinnere ich mich jedoch überwiegend an eine aufmunternde und ermutigende Haltung mir Gegenüber. Er war die Kraft, die mir den Rücken stärkte, manchmal auch den notwendigen Schubs gab. Eine Kraft „von hinten“. Vaters Botschaft war: Geh’ du ruhig, du schaffst das, mach’ dein Ding!

Meine Mutter hingegen nahm ich wahr, mit einer eher schützenden, bergenden Geste, die mich, wo es nötig war in ihre weichen Arme nahm und fest drückte. Sie war die Kraft, die „von vorn“ kam. Ihre Botschaft lautete: Komm’ her, Kleiner, ich liebe und schütze dich, was auch immer passiert!

Fasse ich dies zusammen, so erkenne ich: Vom Vater bekam ich (meistens) den Segen für meine Unternehmungen. Und bei der Mutter fand ich (meistens) Trost, wenn etwas schiefging oder etwas sehr wehtat.

Lese ich vor dem Hintergrund dieser Erfahrung die Jahreslosung, so erkenne ich in dem Jesaja-Text vor allem die eine Seite Gottes wieder, seine mütterlich-weibliche. Und ich gebe zu, es gibt auch in meinem erwachsenen Männerleben Augenblicke, wo ich genau diesen Trost sehr brauche und mich gerne in die ausgebreiteten göttlichen Arme werfen möchte. Hier wenigstens für einen Moment klein sein zu dürfen, kann meinen Schmerz stillen und meine Wunde heilen. Hier darf ich zur Ruhe kommen. Vielleicht liegt hinter dieser Sehnsucht nach Bergung unsichtbar auch die menschliche Ursehnsucht, wieder eins zu werden, einzugehen in das große Göttliche. Eine Sehnsucht, die ich wohl mit Vielen (ob Mann oder Frau) teile.

Dann aber kehre ich „getrost“ zurück in mein Alltagsleben. Und da bin ich froh, dass es auch die andere Seite Gottes gibt, seine väterlich-männliche. Hier spüre ich seinen grundsätzlichen Segen für all mein Tun. Seine Zu-Mutung (da steckt Mut drin) an mich lautet: Geh’ und nimm dein Leben in die Hand! Hilf dir selbst, dann helfe ich dir! Das macht mich stark und selbst-bewußt.

Die Grafik zeigt eine mit ihrer Mutter glückliche Schraube. Bei Vergleichen mit Technik ist immer Vorsicht geboten. Daher ist dieses Bild auch nicht so tiefsinnig gemeint. Wie tröstet eine Schraubenmutter? Indem sie passt, indem sie Halt gibt und indem sie fest macht. Die Schraube blickt ihr glücklich entgegen und will sich mit ihr verbinden bzw. sich von ihr mit sich verbinden lassen.
Grafik: Gunther Seibold / Quelle: jahreslosung.net

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