Und sie wurden nass …

Was waren das für großartige, emotionsvolle Freudenbilder im Fernsehen bei der Siegerehrung der beiden Mannschaften Frankreich und Kroatien am Ende der WM. Beide hatten es verdient, keine Frage. Und: Niemand sage mehr, Männer hätten keine/wenig Gefühle bzw. könnten keine eigenen Gefühle äußern. Stimmt nicht! Beim Fußball geht dies immer :-). Was mich darüber hinaus zusätzlich „beeindruckte“ waren  zwei eher nebensächliche Szenen:

  1. Können Männer wirklich so stoisch nur auf sich und ihre eigene Situation schauen, wie Präsident Putin gestern Abend? Es goss bei der Medallienverleihung in Strömen. Leider war nur ein Schirm (zunächst) vorhanden. So eine Panne. Das Gewitter war ja laut Übertragungskommentator schon länger im „Anzug“. Darum war’s das dann auch, mit den teueren Anzügen vieler Männer auf dem Podest, vor allem mit dem von Frankreichs Präsident Macron und dem Kleid der kroatischen Präsidentin Grabar-Kitarovic. Auch Putins Anzug war anschließend sicher auch „hinüber“, so wie es da geschüttet hat, Schirm hin oder her. Aber: Präsident Putin hätte als Präsident des Gastgeberlandes und als Mann Größe zeigen können. Als Gastgeber der WM lässt man seine Gäste nicht – wortwörtlich – im Regen stehen. Er hätte den Schirmträger hinter sich anweisen können/sollen/müssen, den großen Schirm über Macron und Grabar-Kitarovic zu halten, als Geste der Höflichkeit, des Taktes, des Anstandes, der männlichen „Ritterlichkeit“ wenn man so will. Aber: Chance leider verpasst – und alle Welt sah zu. Es sage mir jetzt keiner, Putin hätte dies in der Aufregung der Medallienverleihung übersehen. Nein, sicher nicht. Heute, einen Tag nach der WM, trifft er auf den zweiten seiner Sorte in Helsinki. Viel Spaß! So will ich als Mann nicht sein, so sind christliche Männer hoffentlich nicht unterwegs, so egoman darf Männlichkeit nicht werden.
  2. Beim ad hoc Interview des französichen Trainers Deschamps hat dieser, noch völlig außer Atem, auf die Frage geantwortet, wie es zu schaffen war, dass die Franzosen Weltmeister wurden: „Harte Arbeit und Disziplin“. Man höre und staune, und dies von einem Franzosen, wo wir Deutsche doch der (falschen) Meinung sind, Franzosen wären ein Leben lang nur „laissez faire“ unterwegs. Gehen wir Deutsche vielleicht deshalb so gerne nach Frankereich in Urlaub, um vermeintnlich davon etwas ab zu bekommen?
    „Arbeit und Disziplin“, zwei männliche und ehemals auch sehr deutsche Tugenden nannte er spontan. Es sage keiner, diese braucht es heute nicht mehr, weder als Erziehungsziel, noch im Umgang mit sich selber bzw. den anderen um mich herum und auch nicht im partnerschaftlichen oder im beruflichen. Schade, dass heute viele Jugendliche bei uns richtiges arbeiten nicht mehr kennen, sie dazu nicht angehalten werden und es nur noch wenige Möglichkeiten gibt, dies zu erleben und mit zu machen (Bauernhof z. B. oder Handwerksbetrieb). Statt dessen Schule, Schule, Schule und digitale Welt. Väter heute hätten darin eine Aufgabe, ihnen nicht nur den Gebrauch des Smartphones, sondern auch z. B. den einer Feile bei zu bringen. Klar, wozu und wer muss man heute noch richtig „feilen“ können? Tastaturtippen reicht. Eine immer freizeitlaunige, selbstbequeme Wohlfühleinstellung führt die Meisten dann doch nicht zum eigenen Lebens-Erfolg. Diese beiden alten Traditionen, Arbeit und Disziplin,  sind momentan bei vielen unter uns nicht Mainstream, aber sie führen mich i. d. R. zum eigentlich von mir gewollten Ziel. Anders landet man ggf. vorzeitig im Aus.

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