Vergangenheit Ent-Sorgen

Ein Berufsleben geht zu Ende und ein Umzug steht bevor. Gründe genug, zu entrümpeln und mich von Vielem zu trennen, was sich über die Jahre angesammelt hat – vor allem an Schriftkram. Doch einfach in die „Tonne kloppen“ geht nicht. So nehme ich alles noch einmal in die Hand: Dokumente, Verträge, Briefe, Bewerbungen, Kontoauszüge, Berechnungen, Notizen, Ideenskizzen…  Ich lese mal hier und überfliege mal dort die Inhalte. Manchmal vertiefe ich mich, denke zurück und versuche zu entscheiden, was wegkommt und was bleiben soll. Ich spüre: Alle Papiere erzählen eine Geschichte – mal eine kleine, mal eine große. Mal sind es gute Geschichten, mal schlechte. mal bezeugen sie Erfolge, mal Niederlagen. Sie sprechen von Freuden, aber auch von Sorgen. Hier und da muss ich lächeln, weil mir damals Dinge wichtig waren, die heute kaum noch eine Rolle spielen. Gefühle steigen zugleich mit den Erinnerungen hoch. Freude über ein paar anerkennende Zeilen eines lieben Menschen oder über gelungene Aktivitäten. Aber auch Groll über unbefriedigende Geschehnisse und unliebsame Begegnungen.

Und Entsorgen bekommt auf einmal seine Bedeutung zurück: Ent-Sorgen! In dem ich mich damit ein letztes Mal konfrontiere, dann aber loslasse, es dem Aktenschredder übergebe, entledige ich mich auch der Sorgen von einst. Mir wird leichter ums Herz. Vernichten hätte eine andere Qualität, denn wirklich Ver-Nichten kann ich nichts von dem, was war. Meine Vergangenheit, an guten, wie an schlechten Tagen, bleibt. Sie macht mein Leben aus. Ja, macht es auch reich. Und wo immer ich hingehen werde, da nehme ich mich mit, mit allem was war. Mit allen meinen Stärken und Schwächen. Nach einem befriedigenden äußerlichen Vernichten beginnt kein völlig neues Leben. Aber durch das Ent-Sorgen darf ich wieder mehr im Frieden sein, mit mir und mit der Welt.

Manchmal hilft Entsorgen beim Loslassen von Sorgen: Ent-Sorgen!

 

 

 

 

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