Kabarettprogramme entdecken den Mann. Aber wie wird hier über ihn gesprochen?

Von Männern und „anderen Irrtümern“

Das Kabarett entdeckt den Mann (und macht ihn meist lächerlich)

Ich liebe Kabarett, am besten das scharfzüngig-politische, aber durchaus auch das feinsinnig-ironische, welches alles Menschliche und Allzu-Menschliche gekonnt auf den Hebel nimmt. Wenn ich derzeit in die Programmflyer der Kabarettbühnen unserer Region schaue, fällt mir eines auf: Die Kabarettisten – ob männlich oder weiblich – haben ganz offensichtlich den Mann entdeckt. „Mann über Bord“, „Ich hör dir zu, Schatz“, „Männer und andere Irrtümer“ oder „Ü40 – die Party ist zu Ende“ – so oder ähnlich lauten die Programmtitel.

Klingt ja erst einmal ganz witzig. Bei näherer Betrachtung der Untertexte beginne ich jedoch zu zweifeln, ob es wirklich um guten Humor geht – oder eher darum, kräftig alte Klischees zu dreschen, Männer auf Sexualität zu reduzieren und sie abschätzig ins Lächerliche zu ziehen. Ein paar Textproben gefällig?

Bitteschön: „Beim alljährlichen Männer-Angel-Wochenende stellen sich vier Freunde ihren männlichen Befindlichkeiten, in Zeiten der virilen Krise. Wenn man älter ist als der Vater der letzten Bettgespielin…wenn die Falten tiefer werden, dann setzt für gewöhnlich die Midlife-Krise ein“.

Und: „Kann man den Charakter eines Mannes daran erkennen, wie er sein Auto funkfernsteuert?“.

Oder: „Auch Männer kommen in die Wechseljahre. Vor allem führt die männliche Midlife-Crisis zu einem Jugendlichkeitswahn, dem sogenannten ‘Jennifer-Syndrom’: Der um seine Attraktivität ringende Mann verlässt das angetraute Weib, um sich für eine junge, schöne Fee in einen Männerprinzen zu verwandeln“.

Aha! Haha? Ich lache gern, auch über mich und meine Geschlechtsgenossen. Aber irgendwie kann ich mich nicht wiederfinden beim Angel-Wochenende, beim funkferngesteuerten Auto und dem Jennifer-Syndrom. Und ich werde auch das Gefühl nicht los, dass manche dieser sogenannten Profi-SpaßmacherInnen auf den Kleinkunstbühnen zu arg billigen Rezepten greifen. Zu einer Komik, die zwar immer ein paar Lacher bringt, aber nur, weil sie unter die Gürtellinie zielt oder sich auf Kosten Anderer köstlich amüsiert. Und die anderen, das sind nun augenblicklich ganz gerne die Männer (was übrigens auch in der Werbung gerade im Trend zu liegen scheint).

Gut nur, dass es „die Männer“ so nicht gibt. Ich habe jedenfalls in der Männerarbeit zahlreiche ganz individuelle und auf unterschiedliche Weise meist auch ganz interessante Männer kennengelernt. Originelle Typen, die mich bereichert haben mit ihrer Sicht, ihrer Erfahrung, Ihrer Ernsthaftigkeit – und ja: oft auch mit ihrem herzhaften Humor! Männer, die Spaß haben und sich gegenseitig wertschätzen, statt sich gegenseitig niederzumachen. Männer, die eine kraftvolle Solidarität entwickeln – auch und gerade in ihren (meist gar nicht virilen) Krisen.

Wie erleben Sie Kabarett- oder Comedyprogramme über Männer? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

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Ein Kommentar zu Von Männern und „anderen Irrtümern“

  1. Ulrich Thierhoff 13. August 2015 um 15:04 #

    Volle Zustimmung zu diesem Text !
    Mir bleibt allerdings die Frage, ob wir Männer auf diese Beobachtungen reagieren sollten oder sogar – aus Solidarität mit anderen Männern – reagieren müssen! Starke Typen glauben oft, sie seien verpflichtet, dem „schwachen“ Geschlecht jederzeit zu helfen, für angeschlagene Männer haben sie aber nur Verachtung übrig. Auf dieser Welle reiten Werbung, „Humor“ und auch Politik zienlich erfolgreich.
    Inzwischen melden sich immer wieder einzelne Frauen, die es satt haben, gehätschelt zu werden. Aber natürlich ist es andere Frauen angenehm, wenn sie über Gebühr hofiert werden.
    Und deshalb bleibt das so, wenn wir Männer in unserer Mehrheit das nicht ändern.
    Männer wehrt Euch !
    Herzliche Grüße
    Ulrich

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