Tilman-kl

Was mich erdet

Montagmorgen.

Aufgekratzt von nicht enden wollenden Pandemiedebatten, Hahnenkämpfe um die Kanzlerkandidatur, Sorgen um den zunehmend pflegebedürftigen Vater, Mitgefühl für die gestressten und verärgerten Eltern, Traurigkeit über meine Kirchenleitung, die sich schwer tut, auf Höhe der Zeit anzukommen, Zorn auf rücksichtslose Demonstranten und schlampige Mitbürger, deren Hinterlassenschaften vom Wochenende die Kollegen der Stadtreinigung gerade wegräumen…

… so fühle ich mich heute auf dem Weg zur Arbeit. Unaufgeräumt. Unruhig.

Ich bin früher dran, weil unser Auto noch zum TÜV musste.
Ich hab das Bedürfnis, zwischen Bahn und Büro – ohne Maske – noch ein bisschen im Freien zu bleiben.

Es regnet. Ein nasser Vorhang hängt über den Eckensee. Die Vögel am Wasser stört das nicht. Und auch ich spüre Dankbarkeit für den Regen. Nach einigen trockenen Tagen tut die Feuchtigkeit der aufblühenden Frühlingsnatur gut. Mir auch.

Die Luft ist noch kühl – alles scheint langsamer und noch ein wenig im Wartestand.
Was wird die Woche bringen? Aufgaben, Gespräche, neue Planänderungen und wieder viele Unsicherheiten?

Zwei Krähen nehmen ihr Morgenbad.
Ein Schwan schwimmt ruhig durch den Regen.
Nilgänse kümmern sich um ihren Nachwuchs.
Gärtner richten ein Rosenbeet.
Menschen unter Regenschirmen gehen ihre Wege unter alten Bäumen.

Ich spür die kühle Luft in meiner Lunge.
Mein Atmen wird tiefer. Und ruhiger.

Ja, Gott!
Auch heute bist Du bei uns, bei mir.
Du begleitest meine Wege und Gedanken. Und die aller hier in der Stadt.
Lass uns, auch diese Woche, wieder neu Deinen Geist atmen.
Den Geist des Vertrauens. Den Geist des Aufbruchs. Den Geist der Solidarität und des Friedens.

Geerdet und zuversichtlich gestimmt nehme ich die Abzweigung richtung Büro.

 

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