Wie begehen Sie den Volks –Trauertag?

Am 19.11.2017 ist Volkstrauertag. 1952 eingeführt, immer zwei Sonntage vor dem 1. Advent, soll man sich durch ihn an die Kriegstoten und die Opfer der Gewaltherrschaften aller Nationen erinnern. Kriegstote waren vor allem Männer, die oft gegen den eigenen Willen aber gebunden an Befehl und Gehorsam oder durch eigene Ideologieverblendung, anderen Männern den Tod brachten in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts und in all den unzähligen Kriegen vorher auch. Männer als Täter und als Opfer von Gewalt, neben den vielen Frauen und Kindern.
Für mich selber – der ich nicht einer Kriegsgeneration entstamme – hat dieser Tag 2017 noch eine weitere Bedeutung. Warum?
Am 18.10.2017 war in der Stuttgarter Zeitung ein „In Memoriam“– der Daimler AG zu lesen. „Vor 40 Jahren fiel Dr. Hanns Martin Schleyer dem RAF-Terror zum Opfer. …“
Erinnerungen werden in mir wach als weiter unten zu lesen war: „ Niemals vergessen werden wir auch die Opfer des Terroranschlages vom 5. 9.1977, …“ und dann die Namen der 3 Polizisten, u. a. Polizeimeister Roland Pieler, damals 20 Jahre alt, mit 21 Kugeln erschossen. Ich war bei seiner Beerdigung mit dabei. Seine Mutter, erinnere ich noch heute, musste damals festgehalten werden, damit sie nicht schreiend dem verschwindenden Sarg hinterhersprang.
Roland Pieler war 6 Jahre lang mein Klassenkamerad in der Parallelklasse in der Realschule und über diesen Zeitraum auch mein persönlicher Freund. Wie oft hatten wir damals um sein Elternhaus herum „Räuber und Gendarm“ gespielt. Dass dies einmal für ihn so real werden sollte, ahnten wir nicht. Er ging nach dem Realschulabschluss beruflich zur Polizei – und irgendwann dann zum Personenschutz – ich ging beruflich „zur Kirche“.
Die RAF-Terroristen und Terroristinnen von damals, z. B. Brigitte Mohnhaupt und Peter-J. Boock (und neuerdings die seither untergetauchten Burkard Garweg, E.-V. Staub und Daniela Klette), die dieses Verbrechen damals verübt haben, schweigen bis heute, wer es wirklich von ihnen war – und sind am Leben. Die Freipressung von A. Baader, G. Ensslin und anderen gelang trotz der Hinrichtung der fünf Männer Schleyer, Brändle, Pieler, Ulmer und Marcisz nicht. Wie furchtbar und unsinnig.
Volks-Trauertag 2017. Ich hoffe, dass an diesem Tag bei den Gedenkveranstaltungen auch deutlich der vielen Opfer von Gewalttaten unterschiedlichster terroristischer Gruppen z. B. der RAF oder des IS, der in Europa aktuell so viel Leid verursacht, gedacht wird. Diese Männer und Frauen sind in der Zeit der Gedenkteilnehmer – in „unserer“ Zeit gemordet worden. Manche vielleicht nur deshalb, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren. Sie verdienen unser aller aufrichtigstes Gedenken an diesem Tag. Vielleicht können daran anknüpfend andere „nachgeborene“ Väter ihren „nachgeborenen“ Jugendlichen den Sinn dieses nationalen Feiertages verdeutlichen.

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