Wieviel „Kohle“ braucht der Mann?

Sie haben es vermutlich selber auch gelesen vor einigen Wochen: Mich hat diese Nachricht sehr erstaunt und danach sehr geärgert. Vielleicht war ich in meinen Vorstellungen als kirchlicher Mitarbeiter zu naiv mir vorstellen zu können, was mancher Mann in der Indurstrie an „Rente“ bekommt, wenn er aus dem aktiven Berufsleben ausscheidet. Ca. 4.000 € pro Tag – für mich unvorstellbar. So viel bekommen die meistens von uns nicht im Monat. Unvorstellbar auch deshalb für mich, weil Mann diesen Betrag nicht verdient hat, egal wie man heißt, egal welchen Posten man inne hatte zu Berufszeiten. Darüber hinaus geht DZ sicher nicht mit 0 € Angespartem auf dem privaten Konto in dieses Jahr in seinen Ruhestand.
Klar, DZ ist durch diese Recherche besonders ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, die „Spitze des Eisbergs“ sozusagen. Viele andere Vorstände anderer Unternehmer gehen auch nicht mit einer Durchschnittsrente in den Ruhestand. Monat vor Monat, Jahr für Jahr, so lange diese Männer leben geht dieser horrente Geldfluss aus dem Kapital der Firma, der Gesellschaft, der Versicherung heraus für einen einzigen Menschen, der für diese Firma nichts mehr aktiv erwirkt, weil Rente. Mit deshalb wird das Produkt, die Versicherung … immer teurer für den Endverbraucher. Es ist ja nicht nur DZ, der diese Summe einstreicht. Sein Vorgänger profitiert ja auch noch, vermutlich in ähnlicher Höhe, und die anderen berenteten Vorstandsmitglieder auch.
Wieviel „Kohle“ braucht der Mann? Wieviel „Kohle“ braucht der Mann (die Frau) als Minimum in der Rente, um menschenwürdig leben und wohnen zu können? Es gibt genügend bei uns, denen es nicht reicht und nie reichen wird, aus schicksalhaften Gründen bzw. teilweise auch selbst-„verschuldet“. Angesichts dieser ist diese und ähnliche Renten- und Pensionszahlungen im staatlichen Bereich eine ungerechtfertigte Anmaßung und eine stille Demütigung und mit ein Grund, an unserem wirtschaftlich-politischen System und seiner Zukunftsfähigkeit als „gut für alle“ mehr und mehr zu zweifeln. Rente braucht ein anderes Maß als nur durch Hochrechnungen und % zum Seitherigen ermittelt. Auch dieses war damals schon zu hoch. Wenn es nicht per Verordnung geht, dass Renten(Pensions)zahlungen z. B. nicht höher als 10.000 € pro Monat nach Steuern in der BRD ausfallen dürfen – dann müsste Mann doch selber sagen: Mehr brauche ich nicht. Mehr kann mein persönlicher Ruhestand nicht wert sein. Das Mehr verbleibt in der Firma, in der Versicherung, in der Staatskasse für die, die diese Summe aktiv erarbeiten bzw. durch Abgaben zusammenbringen müssen.
Wie viel „Kohle“ braucht der Mann? Welche außergewöhnlichen teuren Wünsche machen ihn glücklich(er) auf seiner Wegstrecke nach dem aktiven Berufsleben – wo das letzte Hemd doch keine Taschen hat? Kann man so viel Geld sinnvoll ausgeben? Nein.
Schade, dass unser Wirtschaftssystem dafür/dagegen kein sozialverträgliches Reglement erfunden und eingeführt hat. Man hat doch sonst so vieles im Auto erfunden, was es geben kann. Nur bei unserem eigenen Egoismus, leben viele immer noch wie in der Steinzeit. Haben ist besser als Sein.

 

 

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4 Kommentare zu Wieviel „Kohle“ braucht der Mann?

  1. Avatar
    Ulrich Thierhoff 15. Februar 2019 um 16:33 #

    Lieber Stephan,
    Gerechtigkeit ist ein sehr kompliziertes Thema !
    Genau genommen hat niemand von uns etwas verdient, wir alle profitieren von den vielfältigen Leistungen und Erfindungen die unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern hinterlassen haben.
    Neid auf diejenigen, die besonders viel abbekommen haben (oder – wenn man so will – von Gott besonders begünstigt wurden,) ist völlig Fehl am Platz und zeugt auch nicht von einer sozialen Einstellung.
    O, si tacuisses. ….
    Gruß Ulrich Thierhoff

  2. Avatar
    J. N. 18. Februar 2019 um 9:55 #

    Schön gedacht, ist aber – bei Licht betrachtet, unrealistisch. Meine Erfahrung, wenn man auf etwas, was einem zusteht, verzichtet ist: Es sagt in der Regel auch keiner DANKE. Warum dann also drauf verzichten? Ich glaube, dass die angesprochene Solidarität mit Ärmeren, mit dem Konzern, mit den VErsicherungen, mit der Gesellschaft letztlich nur in einem vertrauten, überschaubaren Rahmen funktioniert. Denn nur da ist nachvollziehbar, ob und wie andere etwas von meinem Verzicht haben.

    Und andersrum: Wenn ich mitbekomme, was andere Konzerne/Firmen/öffentliche Einrichtungen mit „fremdem Geld“ machen (weil es nie das eigene ist), kann ich auch deshalb solchen Appellen eher wenig abgewinnen. Und das, obwohl ich weiß, dass der großzügige, kooperative Weg immer der am vordersten zu wählende sein sollte …

  3. Stephan Burghardt
    Stephan Burghardt 18. Februar 2019 um 14:11 #

    Lieber Ulrich
    danke deines Kommentars. Nein, Neid ist bei mir da wirklich keiner im Spiel. Und dass Gerechtigkeit ein kompliziertes Thema ist, keine Frage.
    Was mich erstaunt ist, dass mein Beitrag so viele „Gefällt mir gar nicht“ bekommen hat. Vielleicht weil ich dieses Mal keinen Männer“segen“ geschrieben habe sondern mich „politisch“ geäußert habe und dies eigentlich nicht auf diesen Blog gehört? Vielleicht weil viele eben nicht meiner, sondern deiner Meinung sind?
    Ich meine: Reichtum braucht ein Maß und Armut eine Grenze. Wir leben nicht mehr im Mittelalter des Feudalismus, wo sich Herzöge, Könige und Kaiser alles – im wahrsten Sinne des Worte – herausnehmen konnten.
    Verteilungsgerechtigkeit umfassend, weltweit ist nicht zu meistern, das sehe ich auch so wie du. Warum geht es mir (uns) so gut und anderen, die nur das biologisch/geschichtliche Pech hatten z. B. in Afrika geboren zu sein, so mangelhaft und schlecht? Trotzdem muss Kirche, müssen wir christlichen Männer für Gerechtigkeit „trommeln“ auch unter unseren eigenen Geschlechtsgenossen und fragen: Wie viel Kohle braucht ein Mann – vor allem dann wenn es andere Männer sind – die viel weniger verdienen – die für ihn diese viele Renten-Kohle erarbeiten müssen. Im Blick auf Renten- und Pensionsgerechtigkeit (und diese sind ja nur ein kleiner Teil der Gerechtigkeit überhaupt) ist noch „viel Luft nach oben“ – und sollte wirklich angegangen werden wenn wir das seitherige soziale Gemeinwohl in der BRD erhalten wollen. Auf die finanzielle Amerikanisierung unserer bundesdeutschen Verhältnisse kann ich wirklich verzichten.
    Worauf warten wir noch? Jetzt politisch handeln ist auch eine Art der Verantwortung für unsere Kinder (Enkel) und ihren zukünftigen, finanziellen Verpflichtungen an unserer Generation. Nicht nur die Umwelt- und sog. Erderwärmungsfrage.
    Wie hat Pfarrer Kurt Marti in seinem Kirchenlied trefflich gedichtet: „Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn auf der Erde stehts alles so bliebe …“

    Mit männlichem Gruß
    Stephan

    • Avatar
      Ulrich Thierhoff 19. Februar 2019 um 9:03 #

      Lieber Stephan,
      J.N. hat zu Recht geschrieben, dass Deine Vorstellungen unrealistisch sind.
      Es gibt zahlreiche Argumente dagegen, sowohl aus pragmatischer als auch aus christlicher, aus politischer, aus moralischer, aus juristischer und aus historischer Sicht. Ich werde hier nicht alle aufführen können.
      Du erklärst nicht, warum Du nicht auch die Top-Einkommen bei Fußball-, Film- und TV-Stars, Aktionären, Immobilieneigentümern, Millonen-Erben usw. beschränken willst.
      Du kannst gar keine plausible Definition von Gerechtigkeit abgeben, forderst sie aber trotzdem ein..
      Du bist zwar selbst nicht neidisch – aber Deine Ausführungen schüren bei anderen den Neid !
      Und Du glaubst, dass gesetzliche Regelungen hier helfen könnten – das ist aus meiner Sicht das Schlimmste: Gesetze würden nur neue Umgehungsstrategien provozieren, Gerichte belasten und nicht das bewirken, was sie bezwecken.
      Und wenn Du für etwas trommelst, musst Du ganz klare Ziele benennen, sonst ist das bloss billiger Populismus.
      NfU, herzliche Grüße, Ulrich Thierhoff

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