WOLF

Seit kurzem ist ein neues Männermagazin auf dem Markt. Nein, nicht so, wie man/Mann(?) das allgemein versteht … sondern … Ich muss vielleicht noch einmal anders anfangen:
Vor kurzem ist WOLF erschienen. Ein Lifestyle-Magazin für Männer. Bewusst mit anderen Themen als die, die es auf dem unüberschaubaren Zeitschriften-Markt schon gibt. Ein bisschen in der Tradition von „LandLust“, dem Land-Idylle-Magazin (aus dessen Verlag es auch kommt). Und trotzdem (hoffentlich) erfrischend anders. Es will Antitrends setzen. Gegen „noch mehr Technik“ und gegen immer „noch mehr Effektivität“.
Hmm, klingt ein bisschen nach Midlife-Crisis-Themen. Und tatsächlich haben diese Themen wenig Platz im männlichen Mainstream der Gesellschaft. Angepasst sein ist allseits gefragt und erwünscht. Und doch gefällt mir der Spruch auf der Titelseite: „Nur wer den eigenen Weg geht, kann nicht überholt werden“ prangt der selbstgewählte Slogan auf dem Cover, zusammen mit einem VW T2 am Strand.
Den eigenen Weg zu gehen, macht verdächtig. Das ist unbequem. Für den, der ihn geht. Und für die anderen um ihn herum. Aber ist es deshalb weniger bedeutsam?
Ich glaube, es ist die große Entdeckung in der sogenannten Mitte des Lebens, dass Haben und Gieren ein Leben nicht erfüllen, sondern nur vollstopfen. Der Ruf nach „weniger Technik“ und „nicht noch mehr Effektivität“ ist da bloß ein Indiz dafür. Vielleicht ist eine wichtige Erkenntnis der Lebensmitte: Es gibt auch ein „genug“. Nicht-Fortschritt muss nicht wirklich gleichbedeutend mit Rückschritt sein. Gerade vorhin fiel mir eine Mail von einem Freund in die Hände mit folgendem Zitat von Rick Warren, einem US-amerikanischen Pastor:
„Wir sind völlig damit beschäftigt, ein gutes Einkommen zu haben, unsere Arbeit zu erledigen, Rechnungen zu bezahlen und Ziele zu erreichen, als seien dies die zentralen Dinge unseres Lebens. Sie sind es aber nicht. Das Wichtigste im Leben ist es, lieben zu lernen – zuerst Gott und dann die Menschen. Leben ohne Liebe ist nichts.“ Und er hat recht.
Ich glaube dass es seinen guten Sinn hat, wenn sich Männer vom Mainstream verabschieden. Dabei dürfen sie niemals auf die Unterstützung der breiten Masse hoffen. Die werden sie nie bekommen. Sondern es liegt an ihnen, sich wie ein „Wolf“ ihren eigenen Weg zu suchen. Auch wenn es sie verdächtig macht. Auch wenn es für uns und die Kollegen und Freunde um sie herum unbequem wird. Dieser Weg lohnt sich.

Andreas Niepagen, Diakon Großbottwar

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?

  • Sehr gut (0)
  • Gut (0)
  • Geht so (0)
  • Gar nicht (0)
Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar