Wut, Hass und Zerstörung!

Männer und Gefühle(4). Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht von Wut, Hass und Zerstörung berichtet wird. Immer wieder lese ich von „Wutbürgern“, die sich Luft machen, aggressiven Autofahrern die handgreiflich werden, oder hasserfüllte Menschen, die alles zerstören möchten. Wie hängt das zusammen, gibt es Erklärungen, weshalb diese Emotionen so destruktiv werden können?

Wenn ich Ärger und Wut erlebe, dann geht mein eigenes „Alarmsystem“ an. Da kommt mir jemand zu nah, oder könnte mir zu nahe kommen. Da springt meine Sensibilität an. Viele von uns kennen das, wenn mir ein anderer Autofahrer an der Stoßstange klebt, oder mir die Vorfahrt nimmt. Da „fahre ich aus der Haut“, lasse lautstark meinen Unmut ab, schimpfe, oder schieße in Gedanken den anderen Fahrer auf den Mond. Dann beruhige ich mich wieder- bis zum nächsten mal. Durch meine Schimpferei und meine kleine Rachefantasie beruhigt sich mein inneres, aus dem Gleichgewicht geratenes System wieder. In gewisser Weise tut mir das gut und alles kommt wieder ins Lot. Innerlich bin ich oft deshalb aus dem Häuschen, weil tiefer in mir Gefühle von Hilflosigkeit, Verletzlichkeit, Trauer, Schmerz, etc. sind. Diese Gefühle möchte ich abwehren und werde wütend. Da könnte es sich lohnen, in einer entsprechenden Situation mal etwas genauer hinzusehen. (siehe Blogbeitrag über „Was steckt hinter der Wut“)

Wie ist das beim Hass? Wie entsteht dieser? Gibt es da auch dahinter liegende Gefühle? Im einem kleinen Buch von Verena Kast, „Wi(e)der Angst und Hass“, habe ich einige Hinweise dazu gefunden, die ich mit eigenen Worten verkürzt wiedergeben möchte. Das mit dem Hass ist eine sehr komplexe Geschichte. Ganz ähnlich wie bei der Wut sind biografische Ereignisse oft die Auslöser. Da gibt es mehrfache Verletzungen, Demütigungen, Ungerechtigkeiten, ect. die sich im Laufe des Lebens aufgestaut haben. Da funktioniert dann das oben beschriebene „Dampf ablassen“ nicht mehr. Da konnte ich mich nicht erfolgreich wehren. Und weil ich mich nicht wehren konnte, verabscheue ich etwas so sehr, dass daraus ein mächtiger Hass entstehen kann. Durch eine Vielzahl an Verletzungen entsteht ein sehr komplexes Gebilde. Als Folge entsteht eine pauschale Abwertung. Dann sind alle anderen Autofahrer unfähig, außer mir. Alle anderen sind schuld, aber ich nicht. Immer werde nur ich ungerecht behandelt. Alle Ausländer sind schuld…

Zu den beschriebenen verletzten Gefühlen kommen dann weitere hinzu. Angst, Scham, Neid und Eifersucht sind ebenfalls oft im Untergrund zu finden. Was gehasst wird, wird nicht selten insgeheim beneidet. Unausgesprochen, tief im Inneren. Mein inneres Geleichgewicht ist völlig daneben und alles was ich verabscheue möchte ich zerstören, in der Hoffnung, dass dann mein inneres System wieder in die Balance kommt. Doch das funktioniert nicht. Die tief in mir verletzten Gefühle sind in so großer Not, dass ich ohne Hilfe nicht weiter komme.

Mein Leben ist in Gefahr. „Hass ist ein Gift und letztendlich vergiftet man sich selbst“. Dieser Satz stammt von Anita Lasker-Wallfisch, einer 92 jährigen Holocaust Überlebenden. (Gedenkstunde im Bundestag 31.1.2018). Jeder von uns, trägt Teile von Hass, Aggression und Zerstörung in sich (nach D. W. Winnicott). Wie ich selbst damit umgehe, liegt in meiner eigenen Verantwortung. Ich selbst bin für mein Leben und meine Gefühle zuständig!

 

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