WUT tut gut!

Männer und Gefühle (2)

Da sitze ich mit klopfendem Herzen und dickem Hals. Jemand hat mich granatenmäßig auf die Palme gebracht. Dabei war ich nicht einmal persönlich gemeint, sondern war nur unfreiwilliger Zuhörer der folgenden Situation:

Beim Schlendern durch einen Klamottenladen stehe ich unschlüssig vor den Hemden. Da höre ich, wie eine Frau laut und deutlich beim Vorbeilaufen zu ihrem Mann sagt: „ …da sind auch Hemden für Männer, hast du die gesehen…?“ und ohne die Antwort abzuwarten fährt sie in gleicher Ton- und Stimmlage fort, „ …aber du bist ja kein Mann!“ Er antwortet kurz: „…hab ich schon gesehen, war nichts dabei für mich.“ Und schon sind beide aus dem Geschäft verschwunden. DAS SITZ, denke ich, „DU BIST JA KEIN MANN!“.

Dieser Satz geht sogar mir in die Magengrube, bringt Herzschlag und Puls in die Höhe, bringt mich sozusagen auf die Palmenspitze! Voll mit Adrenalin – bereit zum sofortigen Handeln. Jetzt am liebsten losrennen, der Frau die Meinung sagen, mich auf die Seite des Mannes schlagen, Solidarität bekunden. Derartige Gedanken schießen mir durch den Kopf. Auf der anderen Seite bin ich zunächst wie angewurzelt, finde den Weg nicht, fühle mich irgendwie hilflos.

„Du bist ja kein Mann“, so geht es mir um Kopf herum. Deutlicher kann Frau so etwas nicht sagen. Totaler Tiefschlag.  K.O. mit einem kleinen Satz. Das geht mir nicht runter, das geht mir ganz schön nach. Macht mich betroffen, wütend, ärgert mich, wühlt mich auf. So etwas geht für mich gar nicht! Puh, jetzt brauche ich erst einmal eine Verschnaufpause…und ziehe mich in eine stille Ecke zurück. Möchte mich zunächst ein wenig besinnen, warten, bis die mächtigen Emotionen in mir weniger werden (Fortsetzung folgt).

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Autoren eine besinnliche Vorweihnachtszeit, mit Momenten der inneren Ruhe und Einkehr bei sich selbst. Kommen Sie gut durch diese Zeiten!

 

 

 

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3 Kommentare zu WUT tut gut!

  1. ulrich thierhoff 4. Dezember 2017 um 18:08 #

    Viele Männer sind darauf dressiert, bei Herabsetzung der Männlichkeit bzw. der Männer nicht zu reagieren, die Schmähungen zu überhören und schnell zu vergessen. So auch offenbar der Mann in der geschilderten Szene. Üblich sind bei solchen Beleidigungen zwei Vorwürfe: kein „richtiger“ Mann zu sein oder ein „typischer“ Mann (= Macho) zu sein. Kurzum: Der Mann ist nicht okey – so oder so.
    Da ist Wut durchaus angemessen – aber dass sie gut tut, bezweifle ich. Für angemessen halte ich, als Zeuge einer solchen Szene gleich zu reagieren und der Frau deutlich die Meinung zu sagen. Möglichst so, dass auch Andere es hören können!
    Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, kann man das auch – ohne die Frau zu beleidigen – so, dass sie sich genötigt sieht, über ihre Worte nachzudenken.
    Wer mit offenen Ohren durch die Welt geht, findet oft genug Gelegenheit dazu!

    Herzliche Grüße
    Ulrich Thierhoff

  2. Bernd 5. Dezember 2017 um 11:15 #

    @Ulrich Thierhoff
    >Für angemessen halte ich, als Zeuge einer solchen Szene gleich zu reagieren und der Frau deutlich die Meinung zu sagen.<
    Das halte ich für völlig verkehrt und sogar schädlich: Es verhindert die nötige eigene Mannwerdung des anderen Mannes.

    @Andreas Schuchert
    So etwas triggert Sie derart?

    • ulrich thierhoff 12. Dezember 2017 um 0:18 #

      @Bernd
      Ob es dem Mann schadet, wenn ich ihm verbale Unterstützung gewähre, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ich habe es durchaus schon erlebt, dass dem Mann meine Intervention gar nicht passte. Mancher bemerkt erst bei so einer Gelegenheit, dass sein eigenes passives Verhalten nicht „normal“ ist.
      Ich möchte noch betonen, dass es keine Privatangelegenheit ist, wenn jemand einen anderen Menschen in der Òffentlichkeit beleidigt. Ich greife nicht nur ein, um dem Beleidigten zu helfen. Ich tue es auch im eigenen Interesse!
      Herzliche Grüße ut

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